Im September ist bei uns im Oberallgäu Viehscheid-Saison (zu hochdeutsch: Almabtrieb – das sagt hier aber kaum jemand). Dann kehrt das Vieh von den Alpen ins Tal zurück. Vor allem handelt es sich dabei um Jungvieh, die sogenannten Schumpen, aber auch um Milchkühe.
Wenn die geschmückten Herden mit lautem Glockengeläut im Tal ankommen, ist das kein folkloristisches Schauspiel für Touristen, sondern ein fester Bestandteil des bäuerlichen Jahres und ein eindrucksvolles Erlebnis, das wir unseren Gästen wärmstens ans Herz legen.
Der Viehscheid markiert alljährlich das Ende des Alpsommers. Nach mehreren Wochen in den Bergen kehren die Tiere nun zu ihren Eigentümern zurück. Unten am Scheidplatz werden die Herden „geschieden“, also wieder den jeweiligen Bauern zugeordnet. Daher der Name.
Am Viehscheidtag einer Gemeinde kommen die Tiere mehrerer umliegender Alpen zusammen. Bei großen Viehscheiden sind es 1.000 oder mehr Stück Vieh; in Gunzesried, wo jedes Jahr am 17. September gefeiert wird, ziehen über 1.600 Tiere von 19 Alpen ins Tal. Ab dem Vormittag erreichen die Herden nach und nach den Scheidplatz, begleitet von ihren Älplerinnen, Älplern und Hirten. In manchen Herden trägt das Leittier einen prächtigen, handgefertigten Blumenschmuck. Dieses „Kranzrind“ gibt es aber nur, wenn der Alpsommer für Mensch und Tier unfallfrei verlaufen ist. Dazu gibt es meist Blasmusik, Markt- oder Festbetrieb. Viele Einheimische feiern mit – oft in Dirndl und Lederhosen.
Rund um Fischen und in den Hörnerdörfern lässt sich der Viehscheid sehr gut erleben: Balderschwang feiert am 11. September, Oberstdorf am 12. September, Obermaiselstein am 19. September. Der Termin für Bolsterlang war bei Redaktionsschluss noch nicht bestätigt.
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